Dakon
Spielart: Zweispieler-Mancala mit zwei Reihen und zwei Speichern, sieben Löcher pro Reihe, sieben Samen pro Loch — Aussaat als Mehrfachumlauf-Stafette; das Erreichen des eigenen Speichers schenkt einen Zusatzzug; zwei Fangregeln: das Beschießen des gegenüberliegenden Lochs (nembak) bei der Landung auf einem eigenen leeren Loch und der ausgeglichene Schulterstangenfang (mikul) zweier gleich starker Nachbarlöcher bei der Landung auf einem leeren Loch des Gegners
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Überblick
Dakon (auch Dhakon oder Permainan Dakon geschrieben) ist das traditionelle javanische Mancala Indonesiens und gehört zur weit verbreiteten austronesischen Familie des Congkak. erstmals von Sir Thomas Stamford Raffles in seinem monumentalen Werk The History of Java von 1817 in die westliche Literatur beschrieben, wo er die Beliebtheit des Spiels bei den einheimischen Frauen vermerkte, ist Dakon bis heute auf ganz Java ein geschätztes Spiel, das für die Entwicklung des Zahlengefühls und für schnelles Kopfrechnen geschätzt wird. Über die unterhaltende Tradition hinaus genießt Dakon auch in der spieltheoretischen Literatur einen hohen Stellenwert: Mathematische Analysen haben gezeigt, dass der Erstspieler auf dem Standardbrett bei perfektem Spiel bereits vom Eröffnungszug aus einen erzwungenen Sieg berechnen kann. Als Spielsteine dienen traditionell die glatten, dunkelbraunen Samen der Sapotillfrucht (biji sawo), was die ländlich-agrarischen Wurzeln des Spiels widerspiegelt.
Spielbrett
- Reihen/Ränge: Zwei
- Löcher pro Reihe: 5 bis 9 Löcher, wobei 7 Spiellöcher (sawah, „Reisterraten") pro Reihe den universellen Standard bilden (insgesamt 14 Spiellöcher)
- Speicher: Zwei große Vorratsmulden namens lumbung („Reisscheunen"), je eine an jedem Ende
- Figuren: 7 Samen pro Loch auf dem Standardbrett (insgesamt 98 Samen), üblicherweise Sapotillasamen (biji sawo) oder kleine Muscheln
- Anfangsaufstellung:
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Spielanleitung
- *Bestimmung des Erstspielers (Pingsut): Das Spiel beginnt mit abwechselnden Zügen, wobei der Erstspieler traditionell durch pingsut* bestimmt wird (das javanische Fingerspiel, bei dem Daumen/Elephant den Zeigefinger/Menschen, der Mensch den kleinen Finger/Ameise und die Ameise den Elephanten besiegt, indem sie in sein Ohr kriecht).
- Die Aussaat erfolgt Samen für Samen in aufeinanderfolgende Löcher und in den eigenen Speicher (lumbung); der Speicher des Gegners wird dabei übersprungen.
- Stafette mit Mehrfachumlauf: Fällt der letzte Samen in ein besetztes Spielloch, werden alle Samen dieses Lochs sofort aufgenommen und in einem weiteren Umlauf verteilt.
- Zusatzzug bei Erreichen des Speichers: Fällt der letzte Samen direkt in den eigenen Speicher, erhält der Spieler sofort einen zusätzlichen Zug von einem beliebigen besetzten Loch seiner Seite.
- Ende des Zugs: Fällt der letzte Samen in ein leeres Loch, endet der Umlauf und damit der Zug.
Fangen
Dakon bietet zwei unterschiedliche, taktisch sehr wichtige Fangmechanismen: 1. *Beschießen des gegenüberliegenden Lochs (Nembak oder Gendong):*
- Fällt der letzte Samen eines Umlaufs in ein leeres Loch auf der eigenen Seite, werden alle Samen im direkt gegenüberliegenden Loch des Gegners in den eigenen Speicher geschlagen.
- Der einzelne Samen, der in dem leeren Loch gelandet ist, bleibt liegen.
- Ist das gegenüberliegende Loch leer, werden keine Samen geschlagen.
2. *Ausgeglichener Schulterstangenfang (Mikul):*
- Fällt der letzte Samen eines Umlaufs in ein leeres Loch auf der Seite des Gegners, prüft der Spieler die beiden unmittelbaren Nachbarlöcher desselben Lochs (links und rechts).
- Enthalten beide Nachbarlöcher gleich viele, von null verschiedene Samen, werden der Inhalt beider Nachbarn UND der auslösende Samen in den eigenen Speicher geschlagen.
- Haben die Nachbarn unterschiedlich viele Samen, oder erfolgt die Landung in einer Eck- oder Randspalte mit nur einem Nachbarn, findet kein Fang statt.
Spielende und Sieger
- Das Spiel endet, wenn ein Spieler in keinem seiner Spiellöcher mehr Samen hat (eine leere Seite).
- Alle verbleibenden Samen auf dem Brett werden vom Gegner in dessen Speicher gekehrt.
- Jeder Spieler zählt die insgesamt in seinem lumbung eingelagerten Spielsteine.
- Wer mehr Samen geschlagen hat, gewinnt das Spiel.
Notizen
- Archäologischer Namensvetter: Auf Java heißen prähistorische, napfverzierte Megalithe aus Bronze- und Eisenzeit umgangssprachlich batu dakon („Dakon-Steine"), weil Reihen halbkugelförmiger Vertiefungen dem Spielfeld ähneln. Archäologische Forschungen zeigen jedoch, dass diese alten Felsbilder der Ahnenverehrung und der Himmelsbeobachtung dienten und nicht dem Spiel.
- Landwirtschaftliche Terminologie: Der javanische Wortschatz spiegelt die Reiskultur Javas — einzelne Löcher heißen sawah (bewässerte Reisterraten), Speicher heißen lumbung (gemeinsame Reisspeicher), und die Fangarten erinnern an den Transport der Ernte mit der Schulterstange (mikul) oder an die Schlinge (gendong).
Source: Mancala World – Dakon