Congkak
Spielart: Zweispieler-Mancala mit zwei Reihen und zwei Speichern, sieben Löcher pro Reihe, sieben Samen pro Loch — Aussaat als Mehrfachumlauf im Uhrzeigersinn; das Erreichen des eigenen Speichers schenkt einen Zusatzzug; Landungen in eigenen leere Löcher schlagen das gegenüberliegende Loch (mati bela); verbleibende Samen werden beim Zug mit leerer Seite an den Gegner gekehrt
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Überblick
Congkak (in Malaysia, Brunei und Singapur auch Main Congkak, in Indonesien Congklak genannt) ist das prototypische Mancala des südostasiatischen Schelfmeers. Sprachlich im klassischen malaiischen congak verwurzelt, das Kopfrechnen bedeutet, spiegelt das Spiel die historische Handelsblüte des Sultanats von Malacca, von wo aus reisende Händler es über den Archipel verbreiteten. Einst die bevorzugte Unterhaltung der Königshöfe und des Adels, wurde Congkak zu einem geliebten Volksvergnügen, das von Frauen und Kindern in jedem Dorf gespielt wird. Der deutsch-niederländische Naturforscher Georg Eberhard Rumpf (Rumphius) verzeichnete 1701 in seinem Kräuterbuch erstmals eine ambonesische Variante mit 12 Löchern (Tsjoncka), und der amerikanische Ethnologe Stewart Culin dokumentierte 1894 deren Regeln, die moderne Mancala-Konstruktionen wie Kalah direkt beeinflussten. Im heutigen Malaysia und Brunei genießt Congkak hohes kulturelles Ansehen: Es wird bei Zeremoniellen Wachnächten (Istiadat Malam Berjaga-jaga) gespielt, erscheint auf der nationalen Währung und wird in schulweiten Meisterschaften ausgetragen.
Spielbrett
- Reihen/Ränge: Zwei
- Löcher pro Reihe: 5 bis 15 Löcher, wobei 7 Spiellöcher (lubang kampung oder lubang anak) pro Reihe den universellen Standard bilden (insgesamt 14 Spiellöcher)
- Speicher: Zwei große Vorratsmulden namens lubang rumah („Häuser") in Malaysia oder indung („Mütter") in Indonesien, an beiden Enden gelegen
- Besitz des Speichers: Im üblichen Spiel im Uhrzeigersinn kontrolliert jeden Spieler die Reihe vor sich und den Speicher zu seiner Linken
- Figuren: So viele Samen pro Loch, wie Löcher pro Reihe vorhanden sind; 7 Samen pro Loch auf dem Standardbrett 2×7 (Kaurischalen oder Tamarindensamen, insgesamt 98 Samen)
- Anfangsaufstellung:
[ Store: Player 1 ]
[ 0 ] [ 1 ] [ 2 ] [ 3 ] [ 4 ] [ 5 ] [ 6 ] <- Player 1
[ 7 ] [ 8 ] [ 9 ] [10 ] [11 ] [12 ] [13 ] <- Player 0
[ Store: Player 0 ]
Spielanleitung
- Die Aussaat verläuft im Uhrzeigersinn um das Brett, wobei ein Samen in jedes Loch entlang der Bahn gelegt wird.
- Die Samen werden in den eigenen Speicher gelegt, der Speicher des Gegners wird jedoch immer übergangen.
- Stafette mit Mehrfachumlauf: Fällt der letzte Samen in ein besetztes Spielloch, werden alle Samen dieses Lochs sofort aufgenommen und in einem weiteren Umlauf verteilt.
- Zusatzzug bei Erreichen des Speichers: Fällt der letzte Samen direkt in den eigenen Speicher, erhält der Spieler sofort einen Zusatzzug und darf von einem beliebigen nicht leeren Loch seiner Seite aussäen.
- *Ende des Zugs (mati): Fällt der letzte Samen in ein leeres Loch, stirbt der Umlauf (mati*) und der Zug endet.
- (Hinweis zur Eröffnung: Im traditionellen zwanglosen Spiel beginnt der Zug häufig mit einem gleichzeitigen Eröffnungszug, im strukturierten Spiel ist jedoch das Abwechseln die Regel).
Fangen (Mati Bela)
- Fällt der letzte Samen eines Zuges in ein leeres Loch auf der eigenen Seite:
- Der Spieler schlägt alle Samen im direkt gegenüberliegenden Loch des Gegners auf der anderen Seite des Bretts, mitsamt dem auslösenden Samen, der in dem leeren Loch gelandet ist.
- Dieser Fang heißt mati bela („opfermütziger Tod").
- Alle geschlagenen Samen werden in den eigenen Speicher gelegt.
- Ist das gegenüberliegende Loch vollständig leer, findet kein Fang statt und der auslösende Samen bleibt im Loch.
Spielende und Sieger
- Das Spiel endet, wenn ein Spieler in keinem seiner Spiellöcher mehr Samen hat (eine leere Seite).
- Alle verbleibenden Samen auf dem Brett werden vom Gegner in dessen Speicher gekehrt.
- Jeder Spieler zählt die insgesamt in seinem Speicher angesammelten Spielsteine.
- Wer den höchsten Speicherstand hat, gewinnt das Spiel.
Notizen
- Maritime Symbolik: Congkak-Bretter werden traditionell aus dichtem Holz in Form eines traditionellen Bootes (perahu) geschnitzt und erinnern an malaiische Legenden von schiffbrüchigen Fischern, die die stürmische Monsunzeit überstehen mussten.
- Regionale Familie: Congkak bildet den kulturellen Anker für zahlreiche Schwesternspiele in Südostasien und im Indischen Ozean, darunter Dakon (Java), Sungka (Philippinen), Chongka' (Marianen), Tungkayon (südliches Thailand), Chonka (Sri Lanka) und Ohvalhu (Malediven).
- Historische Dokumentation: Der französische Künstler und Entdecker Jacques Étienne Victor Arago fertigte während seiner Weltumsegelung 1817–1820 auf der Fregatte L'Uranie eine Skizze von chinesischen Bewohnern, die in Kupang, Timor, eine Partie Congkak spielten.
Source: Mancala World – Congkak